Ganz idyllisch liegt Weides am Fuße des Reinbergs (532m). Erste urkundliche Erwähnung: 6. August 1108, anlässlich der Einweihung der Gärtenrother Kirche, zusammen mit Wildenberg. Weides hieß damals noch "Witose". Obwohl Weides der einzige Ort in Deutschland dieses Namens ist, ist Weides dennoch ein ziemlich häufiger Familienname. Die Bedeutung dieses Orts- u. Familiennamens ist bis heute jedoch der Wissenschaft ein Rätsel.
Dreifaltig-keitskirche: erbaut 1668 von Adolf AugustvonKünsberg als Kapelle für die Schloß-Praedikatur. Für sehr lange Zeit gehörten Schimmendorf und Danndorf zur Hainer Kirche. Die Hainer selbst mußten weiterhin nach Weißenbrunn und die Weideser nach Gärtenroth zum Gottesdienst. Eine sehr bewegende Geschichte, die heute kaum noch nachzuvollziehen ist. 1726 erfolgte der Anbau der Sakristei mit Herrenstübchen. Renovierungen 1897, 1947/48 und 1968.
Kirche vor 1968 - links über der Sakristei das Herrenstübchen, das das erste Heimatmuseum Oberfrenkens und eines der ältesten Bayerns überhaupt beherbergte(Gründer Georg Leffer). Die Ausstellungsstücke sind seit der Renovierung verschwundene
Leider ist das historische Interesse in Hain und Weides heute soweit abgeflacht, dass sich niemand mehr für ein neues Heimatmuseum und dessen Errichtung überhaupt mehr interessiert, trotz des vorhandenen emormen historischen Potentials.
Abriß des Herrenstübchens und der alten Sakristei. Links das Münchshaus, zu dieser Zeit schon nicht mehr bewohnt, wurde ein paar Jahre später ebenfalls abgerissen.
Altar von 1668, ebenso die Kanzel. Die beiden wertvollen Figuren links und rechts des Kreuzes (Maria und Johannes) wurden 1981 gestohlen und sind seitdem nicht mehr aufgetaucht. Sie mußten durch minder-wertigere ersetzt werden.
Ansicht von der Beckenwiese. Links neben der Kirche das sog. Prinzessinen-oder Münchshaus. Abgerissen um 1970.
Prinzessinen- oder auch Münchshaus, vom Veitenhof gesehen. Erbaut um1700 vom damaligen Hainer Schloßherren für seine Gemahlin, weil ihr das Klima in Hain zu feucht war (kein Scherz!).
Eingangstüre des Münchshauses.
Das alte Ruppenhaus.
Das Manzershaus.
Unter Anwesenheit fast aller 36 Einwohner, ehemaligen Weidesern, sowie zahlreichen Hainern und Tiefenkleinern, des 1. BürgermeistersHerbertSchneider mit Gattin Hannelore, wurde im August 2008 das 900-jährige Jubiläum von Weides auf dem historischen Grundstück des ehemaligen "Prinzessinnenhauses" gefeiert. Weides, das
nicht nur am Rande des Weltgeschehens dahinvegetierte, wie man meinen könnte, war in seiner Vergangenheit voll an den Widrigkeiten der Geschichte beteiligt. Die grausamen Ereignisse der Bauernkriege, die Begebenheiten an der Kalten Staude und bei Löhlein während des 30-jährigen Krieges, die Teilnehmer, Gefangenen und Gefallenen der beiden Weltkriege legen Zeugnis darüber ab. Viel Blutzoll hat auch
Weides, so klein und unbedeutend es auch immer war, zahlen müssen. Dass es nicht untergegangen ist im Strudel der Zeit, wie die beiden Ortschaften Ebersreuth und Hartmannsreuth, die auf der gleichen Urkunde ebenfalls erwähnt sind und von denen niemand mehr weiß, wo und wie lange sie existiert haben, grenzt an ein Wunder. Ja, dass es so lebendig ist, es alte und junge Leute gibt, wo neu gebaut, um- und angebaut und renoviert wird, da muss man nicht Bange haben, dass Weides auch bestimmt 1000 Jahre alt wird. Dies war den Weidesern Grund und Anlass genug, wenigstens einen Abend lang sich zu freuen und ein Fest zu feiern und stolz zu sein auf ihr Weides! Diese Heimatverbundenheit brachten in ihrem Lied "Weides, mei Weides...." die "Weideser "Maala" eindrucksvoll zum Ausdruck.
Nach einem Blick anfangs vom Reinberg ein abschließender Blick zum Reinberg auf dem Weg zur Kalten Staude.
Luftbild Gesamtansicht von Weides von Norden (aus Richtung Hain gesehen). Vielen Dank an Frankenair!
Beliebter Treffpunkt, Ausflugs- und Wanderziel ist die Kalte Staude - hier im Winter. So ist deutlich erkennbar, dass die Tage der einst mächtigen "Staude" gezählt sind, wie die ihrer Schwester, denn ursprünglich waren es 2 Bäume, die jedoch vom Blitz heimgesucht wurden. Gepflanzt wurden sie im 30-jährigen Krieg von Bauern, die hier zwei schwedische Landsknechte erschlugen und begruben, weil sie ihnen das Vieh gestohlen hatten. Damit nicht auffiel, dass an dieser Stelle frisch gegraben wurde, pflanzten sie jedem Schweden eine Linde auf sein Grab. Seit dieser Zeit geht die Sage um, dass an dieser Stelle an manchen Tagen ein Mann ohne Kopf sein Unwesen treiben soll und andere "Gestalten" umhergeistern.
Beschreibung der Urkunde der 1. Erwähnung durch Johann Looshorn (Band 2, S. 314). Das Original ist in lateinischer Sprache ausgefertigt und liegt im Bay. Staatsarchiv in München.
"In Deutschland war den 23. Juni Erzbischof Adelbert von Mainz gestorben. Zum päpstlichen Legaten in Deutschland wurde den 1.Okt. 1137 von P. Innocenz II. der bei diesem vielgeltende Erzbischof Albero von Trier ernannt. Erzbischof von Mainz wurde Adalbert der Jüngere, der Neffe das verstorbenen, der Bruder der zweiten Gemahlin des Herzogs Friedrich von Schwaben. Bischof Otto von Bamberg hat im Jahre 1137 in der Woche vor Pfingsten in Bamberg eine Synode abgehalten, auf welcher die schon angegebene Urkunde für St. Getreu ausgefertigt worden ist. Aus dem vorausgegangenen Jahre aber ist eine Urkunde von ihm vorhanden, welche freilich den Stempel späteren Ursprungs schon an der Stirne trägt, jedoch die thatsächlichen Verhältnisse richtig zu erzählen scheint. Nach einer Urkunde vom 13. Juni 1136 in der XIIII. Indictio unter der Regierung des erlauchten römischen Kaisers Lothar, im XI. Jahre seines Königthums, aber im VI. (richtig IV.) seines Kaiserthums, sagt Otto der Erste, Bischof von Bamberg, dass der Priester Walrabanus, Sohn des Degeno von Gerendenrode, der Bruder Dudalrics und Willehalms, der Söhne desselben Degeno, auf dem Theile seines Herrschaftgutes Gerendenrode, der ihm bei der Theilung zugekommen war, eine Kirche erbaut und ihr einige ihm zustehende Aecker als Ausstattung bestimmt hat. Als nun der Bischof 1108 in der I. Indictio den 6. August die Kirche zu Ehren der h. Gottesmutter Maria und der seligen Apostel Petrus und Paulus und andrer 30 Heiligen, deren Namen sammt der Reliquien wir in die Kapsel eingeschlossen haben, consecrirte, übertrug der genannte Priester den Zehnt von vier Dörfern, nämlich Ebersriut, Hartmannesriut, Witose, Willenberge zur Vermehrung der Ausstattung mit Zustimmung seiner Brüder und Getreuen an den Altar zum Gebrauche der daselbst den Gottesdienst Feiernden. Am Tage der Weihe selbst hat ein gewisser Carolus, ein erlauchter Herr, Bürger desselben Ortes und des genannten Walrabamus Verwandter, 20 Personen beiderlei Geschlechtes. Hörige zu drei Denaren, gegeben und bestimmt, dass bei seinem Tode die Kirche sein bewegliches Gut wegnehmen soll, wenn es nicht mit 12 Denaren von seinen Erben eingelöst wird, und ein Prädium in Witose, das 8 Unzen zahlt, zur Instandhaltung der Gebäude und der übrigen Geräthschaften der Kirche selbst von Jahr zu Jahr, und dazu einen anderen Mansus in demselben Orte, der 50 Denare zahlt, für die Lichter der Kirche zu seinem und seiner Eltern Seelenheil geschenkt mit der festesten Bedingung, dass weder der Priester noch sonst jemand die Erträgnisse zu andern Zwecken verwenden könnte. Hierauf hat derselbe Karolus der Welt entsagt und, indem er Mönch wurde, Wicfriedesruit und was er in Witose und um Gerendenrode besaß, Gott und dem h. Michael dargebracht. Auf seine Anregung ging auch der Priester Walrabanus ins Kloster und übergab die genannte Kirche mit allen Zugehörungen und den Theil der Erbschaft, der ihn traf, durch die Hand des Adelold Walpoto, indem seine Brüder Willehalm und Dudalric ihre Theile zurückbehielten. Als aber Willehalm ohne Söhne gestorben war, ging sein Theil an Sigeboto, den Sohn Dudalrics, über. Derselbe entsagte auch auf Anregung Karls der Welt und ließ den doppelten Theil der Besitzung, der von dem Antheile des Oheims und des Vaters auf ihn gefallen war, Gott und dem h. Michael durch obengenannten Walpoto, seinen Beauftragten, darbringen. Diese Handlungen und Geschenke geschahen zu verschiedenen Zeiten. Die Urkunde wurde auf Bitte des Abtes Hermann ausgestellt."