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Wer kennt sie nicht, die "Hymne" Thüringens: Das Rennsteiglied. Die wenigsten "Wessis" aber wissen, wo sie herkommt, wer sie komponiert, getextet und gesungen hat. Der Komponist Herbert Roth war für die Melodie und sein Schulfreund Karl Müller für den Text verantwortlich. Gesungen von Herbert Roth und Waltraud Schulz, ebenfalls eine Schulfreundin. Zusammen mit ihrem Instrumentalensemble brachten sie das Lied 1951 zum ersten Mal in Hirschbach bei Suhl zum Vortrag. Die Begeisterung bei der Thüringer Bevölkerung nahm kein Ende und es wurden viele, viele weitere Lieder komponiert, getextet und produziert. Durch den "Eisernen Vorhang" wurde jedoch verhindert, dass Herbert Roth und seine Gruppe auch bei uns bekannt wurde. Der Hainer Kulturstammtisch hatte bereits eine Sitzung mit den "Musikalischen Rennsteigwanderern", die überwiegend Melodien von Herbert Roth zu Gehör bringen.   

Der aus Kronach stammende Kulmbacher Volkssänger und Heimatkomponist Hans-Wilhelm Häckel (Häckel-Quintett u. Häckel-Trio) hörte das Rennsteiglied eines Tages in Falkenstein bei Ludwigstadt, als er mit seiner Gruppe bei einer Kirchweih auftrat. Auf der gegenüberliegenden Seite der Grenze wurde gerade ebenfalls ein Fest gefeiert und das Rennsteiglied gesungen. Häckel machte sich sogleich Notizen, schrieb die Noten mit und den Text und brachte das Lied als erster im Westen auf Schallplatte heraus und machte es auch im Frankenwald zu einem beliebten Heimatlied.

Rennsteiglied - Uraufführung im "Goldenen Hirschen" in Hirschbach am 14. April 1951

1. Ich wand're ja so gerne am Rennsteig durch das Land,
den Beutel auf dem Rücken, die Klampfe in der Hand.
Ich bin ein lust'ger Wandersmann, so völlig unbeschwert.
Mein Lied erklingt durch Busch und Tann', das jeder gerne hört.

Refrain:

Diesen Weg auf den Höh'n bin ich oft gegangen,
Vög'lein sangen Lieder.
Bin ich weit in der Welt, habe ich Verlangen,
Thüringer Wald, nur nach dir.

2. Durch Buchen, Fichten, Tannen, so schreit' ich in den Tag,
begegne vielen Freunden, sie sind von meinem Schlag.
Ich jodle lustig in das Tal, das Echo bringt's zurück.
Den Rennsteig gibt's ja nur einmal und nur ein Wanderglück.

Refrain

3. An silberklaren Bächen sich manches Mühlrad dreht,
da rast' ich, wenn die Sonne so glutrot untergeht.
Ich bleib' solang' es mir gefällt und ruf' es allen zu:
Am schönsten Plätzchen dieser Welt, da find' ich meine Ruh'

Refrain

Musik: Herbert Roth, Text: Karl Müller
Copyright © 1951 Hardt Musik Verlag


Annähernd das gleiche "Schicksal" erfuhr Anton Günther. Es gibt keinen Gesangverein, der das beliebte Heimatlied "'s is' Feierob'nd" nicht in seinem Repertoire hat. Seit Jahrzehnten wird es überall im deutschsprachigen Raum gesungen. Kaum einer weiß jedoch, dass es aus dem Erzgebirge und von Anton Günther stammt. Der bescheidene Kleinst-Bauer aus Gottesgab lies Liedpostkarten mit seinen Molodien und Texten drucken und zog mit Gitarre und Rucksack durch das Erzgebirge, sang den Menschen seiner Heimat seine Lieder vor und verkaufte die Karten, um seine Familie ernähren zu können. So wurden sie im ganzen Land verbreitet und Anton Günther berühmt. Auf dem Keilberg mußte er sogar dem sächsischen König vorsingen. Der Hainer Kulturstammtisch widmete ihm einen Volks- u. Heimatliederabend, an dem gleich 5 seiner Lieder von den extra gegründeten "Reinberglerchen" vorgetragen wurden.  www.anton-guenther.de