Kulturstammtisch/Hofer Akkordeonquintett überraschte mit breitem Repertoire-Begeisterte Besucher
Hain - Was man sich gemeinhin unter einem Akkordeonkonzert vorstellt, ist die eine Sache. Was das Hofer Akkordeonquintett am Samstagabend im Kulturraum in Hain bot, eine ganz andere. Etwas irritiert lasen die Besucher die auf den Tischen liegende Botschaft, wonach Getränke nur während der Pause ausgeschenkt werden dürfen und orderten diese daher vorab. Absolute Ruhe forderte schließlich Artur Häußinger, das Initiator der Hainer Kulturstammtische, als sich Delia Zeilinger, Nicole Rauh, Eva Walther, Uschi Götz und Florian Weichert mit ihren Instrumenten auf die Bühne begaben. So viel Etikette waren die Hainer bislang nicht gewohnt, meist ging es hier eher locker zu.
Mit einer Serenade aus der "Kleinen Nachtmusik" von Wolfgang Amadeus Mozart, die ursprünglich für ein Streichquartett komponiert wurde, überzeugten die fünf jungen Musiker dann allerdings vom ersten Ton an. Bei geschlossenen Augen hätte man meinen können, man sitzt vor einem Orchester, das mit Flöten, Klavier und Geigen spielt. Mit "Rag of Rags" machten sie einen Ausflug in Richtung Swing und mit "Biscaya" präsentierten sie spanische Volksmusik. "Unter Donner und Blitz" hieß es anschließend. Bei diesem Stück von Johann Strauß waren deutlich die Striche des Geigenbogens über den Saiten zu hören. Zurück in der Klassik begeisterten die Musiker mit dem "Ungarischen Tanz Nr. 5" von Johannes Brahms und setzten mit dem in einem Wahnsinnstempo gespielten "Säbeltanz" noch einen drauf. Ergriffen wurde vom mucksmäuschenstillen Publikum jeder Ton aufgesaugt, den die fünf Musiker leidenschaftlich und mitreißend spielten. Die Super- und Bravorufe wurden immer lauter und der Applaus immer stürmischer. Mit der Ouvertüre aus "Figaros Hochzeit" entließen sie das Publikum dann in eine kurze Verschnaufpause.
Nun trat Artur Häußinger, selbst begeisteter Akkordeonspieler, mit Delia Zeilinger auf die Bühne. Alle sangen mit, als musikalisch gefragt wurde: "Wu is denn des Gerchla?" Mit frischem Elan setzte dann das Hofer Akkordeonquintett das Konzert klassisch fort. "Proms", das vom weltbesten polnischen Akkordeontrio anlässlich eines Aufenthalts in London geschrieben wurde, hatte Adam Stieglitz für das Hofer Akkordeonquintett arrangiert. Der "Symphonie in B-Dur" folgte auf der Volkstanzschiene das "Rigifest", ein Walzer aus der Schweiz. Anschließend sprang das Quintett von Andalusien nach Süd Amerika und präsentierte den "Ballet-Tango" von Astor Piazolla. Mit der "Tritsch-Tratsch-Polka" von Johann Strauß setzten sie sich in Hain ein musikalisches Denkmal. Den Schluß bildete ihr Paradestück, ein Konzertrondo von Nikolai Tschaikin aus dem "Russischen Konzert". Nach nicht enden wollenden Zugaberufen hängten sie den "Root Beer Rag" von Billy Joel an, versprachen ganz fest wieder nach Hain zu kommen und verabschiedeten sich mit dem Rausschmeißer "Rosamunde".
Zum Schluß waren sich alle einig, dass man solch einen außergewöhnlichen Leckerbissen nicht alle Tage serviert bekommt. Helmut Schiffner, dessen Hobby ebenfalls das Akkordeonspiel ist, brachte es auf den Punkt: "Das letzte Stück, Rosamunde, war eigentlich das, was man von dem Konzert erwartet hatte, aber man hat es dann überhaupt nicht vermisst" Bericht: Regine Bellazrak
Kulturstammtisch / Winzer Gerhard Runge begeisterte mit selbst gedichteten Liedern
Hain - Vor knapp zwei Jahren rief Artur Häußinger in Hain den "Kulturstammtisch" ins Leben. Mit fränkischer Musik sorgte er stets für ein "volles Haus" im Kulturraum. Auch am Samstagabend hatte es Artur Häußinger wieder geschafft, seinen Mitbürgern und etlichen Auswärtigen einen stimmungsvollen Stammtischabend zu bescheren. Diesmal drehte sich alles um den Wein. Eingeladen hatte er dazu seinen Bekannten Gerhard Runge, den singenden Winzer aus Dürrfeld in Unterfranken. Häußinger freute sich über den regen Zuspruch und versprach neben guter Musik und bestem Wein auch ein bisschen Weinkunde. "Schließlich ist es ja gut zu wissen, was man trinkt." Gerhard Runge, den fast alle schon von seinem Auftritt bei der Hainer Kerwa kannten, hatte neben auserlesenen Tropfen aus seinem Weingut und einer ausgewogenen Mischung an Weinliedern auch seine Frau Heike mitgebracht. "Sie ist sozusagen mein Sicherheitsgurt, sie bedient die Musikanlage im Hintergrund", stellte er sie vor. Sie hatte der singende Winzer, wie sollte es anders sein, bei einer Weinprobe kennen gelernt. "Komm ich zeig dir mein Weinland", sang der ausgebildete "Weinerlebnis-Gästeführer" seinen Wahlspruch. Runge schreibt seine Lieder selbst. Die besten Gedanken kommen ihm im Weinberg, wenn er durch die Reihen seiner Rebstöcke wandert. Jede Menge Gedichte, die sich um den Wein drehen, hat Runge in einem kleinen Büchlein herausgebracht.
Ein naturlicher "Verstärker"
Mit flotten Sprüchen und lustigen Gedichten hielt Gerhard Runge sein Publikum den ganzen abend über bei Laune. "Wein ist ein kommunikatives Getränk, se verstärkt den Geisteszustand, den es vorfindet", meinte Runge lakonisch. "Dumme werden dümmer und die Klugen noch klüger", schmunzelte er.
Auch Goethe gab sich einst dem Frankenwein hin, wusste Gerhard Runge zu berichten. Goethe ließ sich bei der Wortwahl gerne vom Weingeist beflügeln und manche Zeile vom Wein einflüstern. Mit einer Wortspielerei ums Dichten, die darin gipfelte, dass er sich fragte, ob er denn noch ganz dicht sei, fing sich der singende Winzer einen Extraapplaus ein. "Alles Spinnereien", tat er den Beifall ab, und stellte einige Titel aus seiner neuen CD "Wege zum Wein - die schönsten Spinnerein falln mir beim Wein ein" vor. Der Winzer erklärte den interessierten Gästen zwischendurch auch, wie ein Rotling entsteht und woher der Name "Bocksbeutel" kommt. Er unterhielt sich in den Pausen mit seinen Gästen und konnte so manche Fragen beantworten. Verbunden mit dem Wein ist die Reblaus, die einst Hans Moser besang. "Ich möchte hier keine billige Parodie abgeben, ich habe mir meinen eigenen Reim darauf gemacht. Hans Moser hatte sich mit der Reblaus identifiziert, ich bin infiziert", erklärte Runge. "Ich hab die Reblaus in mir" tönte es recht flott und rhythmisch in der Kulturhalle. Mit dem ausgeteilten Textblatt "Wir lieben die Reben" war das Mitsingen ein Kinderspiel und alle machten machten fröhlich schunkelnd mit. Beim "Hobellied" bekam Runge tatkräftige Unterstützung von Artur Häußinger, der zum Akkordeon griff und ihn begleitete. Tosender Applaus war dem Duo nach seiner Premiere sicher.
Weinprinzessin Johanna
Ein absolutes Highlight kam ganz unverblümt am Schluss auf die Gäste zu. Runge suchte tanzwillige Damen, doch alle zierten sich etwas. Johanna Pufke aus Weidenberg war die einzige Dame, der es bei der guten Musik schon länger "in den Beinen kribbelte". Bevor er sie zum Tanz aufforderte, wollte der Sänger und Winzer einiges über den Rotling wissen. Doch Johanna Pufke hatte gut aufgepasst und konnte die Frage exakt beantworten. Dann legte sie mit dem singenden Winzer einen flotten Tanz aufs Parkett. Nach einer kurzen Verschnaufpause verkündete Gerhard Runge unter dem Beifall des Publikums, dass sie seine Weinprinzessin sei. Johanna Pufke war überglücklich, als sie eine handsignierte CD ihres Idols erhielt. Noch lange saßen die Stammtischler zusammen und genossen den unbeschwerten Abend. Bericht: Regine Bellazrak